Ein Bericht von Olaf:
Montagmorgen, ich liege im Bett. Meine Beine brennen. Was war denn da bitte gestern los?
Das Ganze beginnt so richtig drei Tage vorher mit der Anreise im Kraichgau. Nach der langen Fahrt heißt es erst einmal: Startunterlagen abholen und die Gegend erkunden. Am Samstag folgt dann das klassische Vorbereitungsprogramm. Ein kleiner Aktivierungslauf, Messebummel, kurzes Abkühlen im See und das Wettkampf-Briefing. Als Highlight steht das Zuschauen bei der Triathlon-Bundesliga an. Die Profis hautnah zu erleben, liefert die perfekte Motivation.
Am Abend, folgt dann die große Taschen-Parade. Alles wird in die offiziellen Wechselbeutel verpackt. Nichts vergessen? Zehnmal kontrollieren! Trotz der steigenden Anspannung finde ich glücklicherweise etwas Schlaf.
Das große Warten und der Wetter-Krimi
Der Sonntagmorgen startet entspannt. Mein Check-in beginnt erst um 11:00 Uhr und der Startschuss fällt um 13:00 Uhr. Ich rolle gemütlich mit dem Rennrad in Richtung See. Dort angekommen heißt es erst einmal warten in der prallen Sonne. Wo ist hier bitte Schatten?
Die Materialkontrolle läuft reibungslos. Rad abstellen, Beutel aufhängen und die Wege in der Wechselzone genau einprägen.
Dann die Zitterpartie: Ist der Neoprenanzug erlaubt oder ist das Wasser zu warm?
Um 12:00 Uhr dann endlich die Erleichterung: Wassertemperatur 23,9 Grad, Neoprenanzug erlaubt!
Also ab in die Gummihaut und rein ins Wasser zum Einschwimmen.
Um 12:50 Uhr dann der Schock über die Lautsprecher: Gewitter und Startverschiebung!
Es blitzt und donnert, kurz, aber heftig. Die Ungewissheit nagt an den Nerven.
Um 13:45 Uhr kommt dann Entwarnung: Neuer Start um 14:15 Uhr.
Noch einmal kurz abkühlen im See, und ab jetzt steigt die Adrenalinkurve unaufhaltsam…
Drama im Wasser
Endlich geht es los! Der Startschuss fällt und die Menge stürmt nacheinander ins klare blaue Wasser. Ich finde sofort einen guten Rhythmus und komme super voran. Doch nach 1200 Metern wird es plötzlich seltsam kühl am Kopf.
Meine Badekappe ist verrutscht und droht abzufallen. Beim Versuch, sie im Schwimmen zu richten, passiert das Missgeschick. Ein heftiger Krampf schießt in den rechten Oberschenkel.
Jetzt heißt es, Ruhe bewahren. Ich versuche es mit Rückenlage und Brustschwimmen, aber nichts hilft. Einzig die Kraulbewegung funktioniert halbwegs. Mit banger Vorfreude auf den Ausstieg rette ich mich an Land.
Norddeutsche Flachland-Power am Berg
In der vollen Wechselzone verliere ich keine Zeit. Helm auf, rein in die Radschuhe und ab aufs Rad. Endlich rollt es! Die Hitze ist enorm, aber dafür trocknet mein „Einteiler“ schnell im Fahrtwind und ich kann direkt die ersten Konkurrenten überholen.
Nach zehn Kilometern beginnen dann die knackigen Steigungen. Ein Glück, dass ich die Strecke vorab besichtigt habe. Ich weiß genau, was kommt, und versorge mich rechtzeitig mit Energie-Gel und Wasser. Die Hügel haben es für einen Norddeutschen absolut in sich. Bis zu 9 % Steigung über gefühlt unendliche Passagen. Viele Athleten kämpfen, aber ich kann an etlichen vorbeiziehen.
Oben angekommen wartet dann die Belohnung: die Abfahrt!
Der Tacho klettert auf 50 und dann auf 60 km/h. Nach der Wende geht das Spiel von vorne los.
Am letzten harten Anstieg schwinden die Kräfte. Bei maximalem Krafteinsatz zeigt der Tacho nur noch 11 km/h an. Aber mein mentales Bergtraining aus dem Vorjahr rettet mich mit dem Satz: „Hinter der Kurve hört die Steigung auf!“
Hitzehölle auf der Laufstrecke
Die letzten Kilometer auf dem Rad nutze ich zum Lockern. Doch der Oberschenkel meldet sich pünktlich beim Abstieg vom Rad zurück. Egal, Laufschuhe an, Mütze auf und los.
Der Muskel macht jetzt komplett dicht und ich schalte sofort auf Überlebensmodus:
Fokus auf die Lauftechnik, trinken und entspannen. Zum Glück geht es leicht bergab und der Muskel lockert sich. Geschafft…!
Doch der nächste Dämpfer wartet im Ort. Zwischen den Häusern steht die heiße Luft. Kein Schatten, kein Windhauch. Einfach nur schwüle Hitze.
Im Kurpark spenden die Bäume dann endlich etwas Schatten. Aber dafür wartet dort ein Anstieg mit Gegenwind auf mich, was auch sonst…
Aber die Zuschauer tragen uns mit ihrem Applaus nach oben. Jede Verpflegungsstation wird für mich zur Oase. Wasser auf den Kopf, Wasser trinken und Cola hinterher! Und das alle 1,4 Kilometer.
Der schönste Teppich der Welt
Die erste Runde ist geschafft. Aufgeben ist keine Option, jetzt wird durchgezogen!
Ich laufe dicht am Zielbereich vorbei, muss aber auf die zweite 5-Kilometer-Runde abbiegen. Ich mobilisiere die letzten Reserven. Auf der Strecke überhole ich einige Athleten, die zum Teil gehen müssen. Ich feuere einige im Vorbeilaufen an, das motiviert mich gleichzeitig selbst: „Auf geht’s, du schaffst das!“
Nach dem letzten Anstieg sorgt eine kühle Dusche aus einem Gartenschlauch am Streckenrand für die nötige Frische. Noch ein Kilometer. Die Musik wird lauter, der Moderator ruft die Namen der „Finisher“ auf.
Dann biege ich auf den Teppich des Zieleinlaufs ein. Die Zuschauer an den Banden klatschen und peitschen mich nach vorne. Nach den finalen Schritten ist es geschafft: Ich bin im Ziel!
Ich muss mich sofort hinsetzen. Keine Ahnung, ob ich jemals wieder aufstehen kann…
Das Fazit: Knusprige Brötchen in der AK 60
Was für ein unbeschreibliches Gefühl! Wenn man nach all den Strapazen die Ziellinie überquert, kann man sich zwar kaum auf den Beinen halten, ist aber einfach nur überglücklich.
Das war mein allererster Triathlon auf der Olympischen Distanz (1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km Laufen) beim IRONMAN 5150 Kraichgau 2026.
Und damit hieß es im Ziel: Olaf „Finisher“ in der Altersklasse 60!
Mein persönliches Motto für dieses Abenteuer:
„Ich backe kleine Brötchen, aber die werden für meine Verhältnisse maximal knusprig!“
P.S.: Und wisst ihr was? DAS tue ich mir garantiert nochmal an!
Bericht/Fotos: Olaf



