Es geht weiter…
Ein Bericht von Moritz
Vorab: Ich kenne die logistischen Herausforderungen in Roth. Aus dem Grund sind wir eine Woche vorher angereist und haben uns mit dem Wohnmobil auf den Wohnmobilstellplatz am Rothsee gestellt. Der Vorteil ist, dass man von hier nur 10 Minuten zum Schwimmstart geht, ohne Abhängigkeiten von Shuttles o. Ä. Zudem hat man hier optimale Trainingsbedingungen.
In 2025 bin ich in Kalmar gestartet und hatte viel Pech. Ich wollte die 9:30 knacken und hatte einen technischen Defekt, der mich 1:05 Std. Standzeit beim Radsplit gekostet hatte. Ich finishte trotzdem in 10:21 und wollte nun in Roth die 9:30 nachholen. Es ist die zweite Saison, auf die ich mich mit meinem Coach Arne vorbereite. Zudem sind Marie und ich Ende 2025 dem TriTeam Elbe beigetreten, um die wöchentlichen Schwimmeinheiten gemeinsam zu absolvieren.
Vor ein paar Wochen habe ich beim O-See-Triathlon in Uelzen den siebten Platz in der Gesamtwertung gemacht, und daher wusste ich: Die Form ist gut!
In der Rennwoche war ich erstaunlich entspannt und locker. In der Nacht zum Rennen habe ich bestimmt 5 Stunden geschlafen, was für mich schon echt eine Menge ist.
Schwimmen:
Schwimmen ohne Neoprenanzug ist für mich grundsätzlich kein Problem. Allerdings wusste ich, dass es mich bestimmt 6–7 Minuten in der Gesamtabrechnung kosten würde. Es war meine erste Langdistanz ohne Neoprenanzug und ich traute mir grundsätzlich eine Schwimmzeit von unter 1:10 Std. zu.
Gestartet in Startgruppe 4 ging es los und ich hielt mich bewusst rechts, um gut in den Tag hereinzukommen und den üblichen „Kabbeleien“ zu entkommen. Das klappte auch ziemlich gut und so schwamm ich zügig los. Ich muss zugeben, dass mir das Startprozedere beim Ironman deutlich besser gefällt. Im Kanal schwimmt man ständig auf andere und langsamere Schwimmer auf. Zudem schien es viele Athleten zu geben, die sogar auf dieser Strecke Orientierungsprobleme hatten und deshalb kreuz und quer schwammen. Wie dem auch sei: Es fühlte sich okay an, und dabei beließ ich es. Ich schwimme ohne Uhr und erfuhr dann später, dass es für eine 1:07 gereicht hat.
Rad:
Die Bedingungen waren nicht einfach. Es gab kräftige Böen aus Nordwest, was allerdings für mich nichts Ungewohntes ist. Hier in Norddeutschland fährt man regelmäßig bei starkem Wind.
Man muss sagen, dass ich auf dem Rad etwas auf Risiko gegangen bin. Die mit meinem Coach besprochene maximale Durchschnittsleistung habe ich um ca. 10–15 Watt überschritten und deutlich zu viele (und zu hohe) Spitzen drin gehabt. Allerdings wollte ich unbedingt unter 5 Stunden bleiben und das hat dann auch geklappt. Insgesamt hat es für einen 36,2-km/h-Schnitt gereicht und ich radelte 4:54:59.
In der ersten Runde war noch alles okay, da die Strecke nicht so voll war. Ich fuhr weitestgehend allein und durfte sogar komplett allein in den Solarer Berg fahren. Das war schon wirklich unglaublich. In der zweiten Runde wurde es dann allerdings sehr voll und sehr gefährlich. Einige Athleten im hinteren Feld fuhren grundsätzlich auf der Mittellinie, andere hatten Probleme mit dem Einschätzen der Windböen. Ich sah einige Unfälle und entkam einigen bei Überholmanövern nur knapp. Hier hatte ich dann schon das Gefühl, dass es zu viele Athleten für einen Zweirunden-Kurs sind. Als ich in T2 (Wechselzone) einrollte, war ich froh, dass es vorbei war. Die Stimmung am Streckenrand war allerdings sehr gut.
Laufen:
Erst in T2 binde ich mir meine Uhr um. Und so konnte ich ungefähr ausrechnen, welche Marathonzeit ich benötige, um die 9:30 zu schaffen. Es war 13:05 Uhr und somit hatte ich circa 3:20 Std. für den Marathon. In Kalmar war ich 3:14 gelaufen. Allerdings mit einer Stunde „Regenerationszeit“ wegen des Raddefekts. Arne und ich hatten einen Marathon von 3:10 Std. bis 3:15 Std. angepeilt. Somit erstmal alles okay. Ich wusste natürlich, dass ich auf dem Rad härter gefahren war als besprochen. Also schauen wir mal.
Die Laufbedingungen waren einfach top. Es war nicht zu heiß, meist bewölkt, und ab und zu kamen sogar ein paar Regentropfen herunter.
Bis Kilometer 30, lief eigentlich fast alles nach Plan (abgesehen davon, dass meine „Softflask“ mit Kohlenhydraten für den ersten HM halb ausgelaufen war im Laufbeutel). Ich hatte eine Durchschnittspace von 4:34 auf der Uhr und der Puls war auch im angepeilten Bereich. Allerdings musste ich dann die Verpflegung weitestgehend einstellen, weil mir etwas übel wurde. Ich wollte nichts riskieren.
Die letzten 12km waren dann schon ein mentaler Kampf. Vor allem, weil ich die Gesamtzeit nicht genau kannte. Ich versuchte regelmäßig auszurechnen, was passiert, wenn ich den Rest mit einer 5er Pace laufe. Das müsste reichen. Aber was ist, wenn ich langsamer werde, so wie den Kilometer hoch nach Büchenbach mit einer Pace von 5:19? Meine Oberschenkel wurden zu Brei und es war ein ständiger mentaler Kampf, dranzubleiben. Ich redete mir ein, dass es doch genau das ist, was ich wollte. Das ist Langdistanz, jetzt ist Crunch-Time. Jetzt durchziehen und dann glücklich im Ziel zusammenbrechen.
Einen Kilometer vor dem Ziel, hörte ich dann Arne durch die Straßen von Roth schreien „Moritz, das reicht! Du hast noch 10 Minuten und musst nur noch einen Kilometer laufen“. Krass, dachte ich. Hoffentlich stimmt das auch. Kurz dahinter standen Nadja und Helene vom TriTeam Elbe. Das hat mir dann auch nochmal den letzten Push gegeben. Ich lief und lief, bis über die Ziellinie. Auf der Tafel standen eine Zielzeit von 9:24:49 und eine Marathonzeit von 3:14:28. Ich sackte zusammen und weinte. Vorsichtig traute sich ein Helfer an mich ran und checkte kurz, ob alles in Ordnung ist. Das war es! Es war vorbei und ich habe es mit einem Jahr Verspätung eingetütet. Die Arbeit über diesen (sehr harten) Winter hat sich gelohnt!
Das war schon sehr emotional für mich. Natürlich auch, weil ich dieses Erlebnis 11 Monate vorher in Kalmar haben wollte. Der größte Dank geht an meine Frau Marie, die mich nach Kalmar wieder aufgebaut und mich bei allem voll unterstützt hat. Zudem bin ich dankbar, Teil des TriTeams zu sein. In der Gruppe macht das Schwimmen einfach deutlich mehr Spaß. Selbst wenn jeder sein eigenes Programm schwimmt. Man ist unter Gleichgesinnten und tauscht sich regelmäßig aus.
Und, weil es sich einfach gehört: Die Helfer in Roth sind unfassbar. Sie laufen dir sogar hinterher, wenn du einen Becher Eis nicht bekommst. Sie lesen einem jeden Wunsch von den Lippen ab. In der Woche vor dem Rennen bin ich relativ viel geradelt. Nicht ein Auto hat mich „angehupt“ oder knapp überholt, viele haben sogar gegrüßt. Das ist einzigartig. Ein paar Tage vor dem Rennen fuhr eine ältere Dame mit dem Fahrrad an unserem Wohnmobil vorbei und sagte: „Ach ist das schön. Die Triathleten sind wieder da.“
Roth ist und bleibt besonders!
Bericht / Fotos : Moritz


