Eine Mitteldistanz in Duisburg…
Ein Bericht von Katharina:

Dass ich mein Training an meinen Job anpassen muss und es deshalb etwas anders ausfällt, als es sollte, daran habe ich mich gewöhnt.

Auch diesmal waren die Wochen vor dem Wettkampf mal wieder sehr chaotisch. Eine Dienstreise folgte der anderen und ich musste irgendwie mein Training dazwischenpacken. So wurde ein kleiner Wasserfall in Tirol zur Gegenstromanlage oder es gab wunderschöne Läufe durch Gewerbegebiete in Hürth.

Basierend auf diesem nicht optimalen Training, bin ich ohne große Erwartung nach Duisburg gefahren. Warum Duisburg? Meine Familie hatte sich nach Tallinn im letzten Jahr gewünscht, dass es in diesem Jahr nur Wettkämpfe in Deutschland sein sollten. Und da ich keine Bergziege bin, suchte ich nach einem Kurs mit wenig Steigungen und fand: Flach, Flacher, Duisburg.

Auf dem Hinweg, kurz hinter Bremen, der erste Schreck: Ich stellte fest, dass ich meinen Ausweis vergessen hatte. Aber als Digital Native hatte ich, Gott sei Dank, alles noch digital dabei, sodass ich meine Startunterlagen problemlos abholen konnte. Ein kurzer Blick auf die Aufbauten der Rennstrecke und das Ziel zeigte mir: Es ist alles sehr nah beieinander und überschaubar. Kurze Wege, kleine Wechselzone und insgesamt sehr gut organisiert. Überall gab es hilfsbereite Helfer und sehr nette Kampfrichter.

Check-in und Vorbereitung liefen super. Bis ich am Abend vor dem Wettkampf feststellte, dass meine Schwimmbrille fehlte. Natürlich habe ich hektisch alle Taschen durchgesucht, aber sie war definitiv nicht dabei. Dazu ist zu sagen, dass Probeschwimmen auf der Strecke nicht möglich war, da es sich um eine Regatta-Ruderstrecke handelte. Nach Überprüfen aller Taschen und dem Auto war die Lage klar: Ich hatte keine Schwimmbrille. Ich hatte mich schon darauf eingestellt, sämtliche Niederländer im Hotel anzusprechen, ob sie noch eine haben. Aber es ist immer gut, ein Supporterteam dabei zu haben, denn durch Zufall hatte mein Vater zwei Schwimmbrillen. War zwar nicht meine, aber sollte gehen.

Die Nacht vor dem Wettkampf war wie die beiden Nächte davor sehr heiß. Ich habe deswegen sehr schlecht geschlafen und ging sehr müde zum Start.

Zum Glück war alles perfekt vom Veranstalter organisiert. Man konnte kostenlos auf dem Stadionparkplatz vom MSV Duisburg parken, nur 500m vom Start entfernt. Es gab überall Frauen-Dixis und vor dem Start wurden sogar die Toiletten von der Tribüne der Regattabahn geöffnet. Das heißt, man hatte normale Toiletten und konnte sich die Hände waschen. Bestens!

Geschwommen wurde auf der Regattabahn. Die Tribüne wurde für die Zuschauer geöffnet. Das heißt, alle konnten die gesamte Schwimmstrecke überblicken und es entstand eine großartige Stimmung. Kurz vor dem Start wurde bekannt gegeben, dass ein Neoprenanzug genutzt werden darf, und das habe ich auf Rat meines Trainers auch gemacht. In Vierergruppen wurde dann ins Wasser gesprungen. Durch Leinen, die an der Bahn unter Wasser gespannt waren, hatte man eine sehr gute Orientierung. Somit war das Schwimmen super und hat wirklich Spaß gemacht. Obwohl mir mehrmals auf den Kopf geschlagen wurde und ich auch „überschwommen“ wurde, obwohl wirklich sehr viel Platz da war, lief das Schwimmen für mich sehr gut.

Der Wechsel vom Schwimmen aufs Rad verlief problemlos. Hier kann ich in Zukunft aber noch mehr Zeit einsparen. Beim Laufen mit dem Rad aus der Wechselzone, habe ich dann leider ein Teil meines Gels verloren, was aber im Nachhinein nicht so schlimm war, weil es dieses Gel auch in den Verpflegungsstationen auf der Strecke gab.

Das Radfahren war herrlich und hat richtig viel Spaß gemacht. Da es ein sehr schneller Kurs ohne viele Erhöhungen war, konnte man so richtig Gas geben. Es wurde sogar ein Teil einer Autobahn für uns gesperrt. Sehr empfehlenswert und gut für mich, weil ich es geschafft habe, 30 Minuten schneller auf dem Rad zu sein als sonst. Vielleicht hat das bisschen mehr Training auch geholfen.

Der einzige Nachteil an der Strecke war, dass es kaum Zuschauer gab, denn die Strecke war für sie in vielen Teilen unzugänglich. Gerade die Strecken auf der gesperrten Autobahn waren für Fußgänger kaum erreichbar. Dafür war beim Wendehammer vor dem Stadion umso mehr los.

Getragen von der Motivation und der guten Stimmung, ging es mit etwas schweren Beinen auf die Laufstrecke. Diese war bei 25 Grad schon sehr aufgeheizt, aber dafür gab es an der Strecke Duschen zur Abkühlung. Das Laufen hat sehr viel Spaß gemacht. Es ging dreimal um die Regattabahn. Der Support von allen Anwesenden war super und hat mich gut durch das Rennen getragen. Zweimal bin ich am Ziel vorbeigekommen und konnte dort schon die ganze Stimmung mitnehmen. Vor der letzten Runde, hat meine Familie mir mitgeteilt, dass ich, wenn ich jetzt durchziehe, eine Bestzeit schaffen könnte. Das hat mich beflügelt, und ich ließ noch einige Mitstreiterinnen hinter mir, die mir scherzhaft nachriefen, ich sei eine Gewinnerin.

Ein bisschen habe ich mich dann tatsächlich auch so gefühlt, als ich durch die Duschen der letzten Verpflegungsstation lief und die Helfer mit Trillerpfeifen eine „Laola-Welle“ für mich machten. Obwohl das Hauptfeld lange durch war. Das war wirklich nett!

Als ich dann zum Eingang des Zieleinlaufes einbog, wurde ich in allen möglichen Sprachen bejubelt und Athleten mit Medaillen um den Hals feuerten mich an. Das war der Zeitpunkt, an dem ich wieder wusste, dass ich unseren Sport so liebe und warum ich das Ganze überhaupt mache. Eben weil es einfach so verbindet!

Ich hatte dann das Glück, ganz allein durch das Ziel zu laufen und so die volle Aufmerksamkeit des Moderators zu bekommen. Der kam dann im Ziel auf mich zu und sagte: „Ich hätte fast gesagt: You are an Ironman.“
Ich sagte dann: „Nein, das bin ich nicht, aber glücklich bin ich trotzdem!“

Glücklich darüber, die Hälfte eines Ironman geschafft zu haben und dann noch 22 Minuten schneller, als je zuvor gewesen zu sein. Ich bin zwar absolut kein „Pro“, aber ich kann es trotzdem und es steht keine 8 mehr vorweg, sondern nur noch eine 7.
Das konnte der Moderator gut verstehen und gratulierte mir nochmal. Darüber hinaus freute er sich, dass ich auch aus Hamburg komme, und hat mir viele Grüße in seine alte Heimat mit auf den Weg gegeben.

Mit dieser positiven Erfahrung kann ich den Ironman 70.3 in Duisburg nur empfehlen, gerade für Anfänger oder die erste Mitteldistanz.

Bericht / Fotos: Katharina