Staubige Linien, große Erinnerungen – Als aus dem Elbestadion ein Olympiasieger hervorging

In den vergangenen Wochen wurde viel über den Zustand des Elbestadions und die schwierigen Trainingsbedingungen diskutiert. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, welche sportliche Geschichte dieses Stadion geschrieben hat. Denn das Elbestadion war über viele Jahre eine der besten Leichtathletik-Anlagen Norddeutschlands und ist die Heimat der LG Wedel-Pinneberg, die zeitweise zu den sechs erfolgreichsten Leichtathletikvereinen Deutschlands gehörte.

Zahlreiche Deutsche Meisterschaften, Teilnahmen an Länderkämpfen sowie an Europa- und Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen zeugen von dieser erfolgreichen Zeit. Der größte Erfolg aber trägt einen Namen: Rolf Danneberg.

Der Diskuswerfer wechselte 1977 zur LG Wedel-Pinneberg und trainierte unter Trainer Artur Heß im Elbestadion. Was damals wohl niemand für möglich hielt, wurde vor 42 Jahren am 10. August 1984 Realität: Bei den Olympischen Spielen in Los Angeles gewann der 31-Jährige mit einer Weite von 66,60 Metern die Goldmedaille und wurde als erster deutscher Olympiasieger im Diskuswurf überhaupt.

Sein Triumph war eine der größten Überraschungen dieser Spiele. Kurz zuvor hatte Danneberg sein Lehramtsstudium in den Fächern Sport und Sozialkunde abgeschlossen, erhielt jedoch zunächst keine Anstellung als Lehrer. Statt den Kopf hängen zu lassen, nutzte er die ungeplante Zeit konsequent für sein olympisches Training – mit dem größten Erfolg seiner Karriere.

Vier Jahre später bewies Danneberg erneut seine Weltklasse. Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul gewann er mit 67,38 Metern die Bronzemedaille und gehörte damit über viele Jahre zur internationalen Spitze. Zwischen 1978 und 1990 stand er bei den Deutschen Meisterschaften jedes Jahr auf dem Podium und sicherte sich 1980, 1988 und 1989 den Deutschen Meistertitel. Seine persönliche Bestleistung von 67,60 Metern, erzielt 1987 in Berlin, zählt bis heute zu den besten deutschen Leistungen.

Der Wedeler TSV ernannte ihn bereits unmittelbar nach seinem Olympiasieg zum Ehrenmitglied – eine Auszeichnung, die seine besondere Verbundenheit mit dem Verein bis heute unterstreicht.

Die Geschichte von Rolf Danneberg zeigt eindrucksvoll, welches sportliche Potenzial einst im Elbestadion steckte. Sie erinnert daran, dass hier nicht nur trainiert wurde, sondern Sportgeschichte geschrieben wurde. Gerade in Zeiten, in denen über die Zukunft der Sportanlagen diskutiert wird, lohnt sich der Blick zurück: Gute Trainingsbedingungen schaffen die Grundlage für außergewöhnliche Leistungen – damals wie heute.

Wolfgang Soukup (Abteilungsleiter Leichtathletik)

Jasper Grahl (Sport- und Marketingkoordinator)