Rennbericht: Mein Weg zum IRONMAN
Ein Bericht von Timo
Ein IRONMAN umfasst 3,8 km Schwimmen (das sind mehr als 150 Bahnen im Schwimmbad), 180 km Radfahren (vergleichbar mit der Strecke von Wedel nach Dänemark) und einen Marathon über 42,2 km (weiter als der Lauf von Wedel nach Glückstadt).
Es ist mein Weg zum IRONMAN.
Ich kam vor ca. 1,5 Jahren in den Verein – mit dem Hintergedanken, diesen Tag einmal erleben zu dürfen. Ich wusste, es wird ein langer Weg. Beim ersten Kraultraining habe ich sehr viel Wasser geschluckt, denn bis dahin konnte ich nur Brustschwimmen. Ein Rennrad besaß ich bis dato ebenfalls nicht. Nach ein paar Monaten Training habe ich mich dann für den IRONMAN Emilia-Romagna in Italien angemeldet. Der Weg stand nun fest, und dank der Unterstützung im Verein wusste ich auch, wie ich ihn anzugehen hatte.
Ab den Wintermonaten stieg das Trainingsvolumen deutlich an. Ich habe zwar schon lange und regelmäßig Sport gemacht und war bis dahin auch schon drei Marathons gelaufen, aber das Trainingsvolumen, das jetzt auf mich zukam, nahm Ausmaße und Komplikationen an, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Ich meine damit: Jeden Sonntag gut 60 bis 90 km Radfahren mit anschließender Laufeinheit von 12 km bis hin zum Halbmarathon. Auf dem Peak waren es sogar etwas über 30 km Laufen nach dem Radfahren. Am Anfang brauchte man dann erst einmal eine gefühlte ganze Woche, um sich davon zu erholen – was in der Selbstständigkeit gar nicht so einfach ist.
Um mehr Kontrolle über das Training zu bekommen, habe ich schließlich einen persönlichen Trainingsplan erhalten. So konnte ich immer mehr Erfahrungen mit der Ernährungsstrategie sammeln, die ich viel zu lange unterschätzt hatte. Ich spreche von den Versuchen, Trainingseinheiten ohne Essen zu überstehen – also so viele Kalorien zu verbrennen, wie man normalerweise in 2,5 Tagen benötigt, um dann beim Essen von anderen angeschaut zu werden, als hätte man einen Bandwurm.
Weiter ging es mit dem Verlangen nach Salz: Nachdem mir klar wurde, dass der Körper bei diesen Einheiten enorm viel Salz verliert und ich die ersten körperlichen Anzeichen von Salzmangel spürte, färbte sich die Oberfläche meiner Essensteller regelmäßig weiß. Was natürlich erneut für unangenehme Blicke von Außenstehenden sorgte. Mittlerweile habe ich die Verpflegung aber weitgehend im Griff.
Warum dieser Sport trotzdem so geil ist? Man lernt seinen Körper extrem gut kennen, wird zum Schlafexperten (für die optimale Regeneration), lernt viele coole, nette Leute kennen und das direkte Umfeld fängt meistens auch an, sich mehr zu bewegen.
Im Laufe des Trainings ist mir klar geworden, dass Triathlonsport letztlich doch eine Teamleistung ist. Daher gilt ein besonderer Dank meiner Freundin, die mich bei all meinen verrückten Ideen Tag für Tag unterstützt und supportet. Ebenfalls Danke an „Mr. Dr. Meister der Qualen“ und alle anderen, die mich seelisch und geistig unterstützt haben. Ohne euch wäre das alles so nicht möglich gewesen.
Der Renntag
Es war ein bewölkter Morgen mit ca. 22 °C Lufttemperatur und 24,2 °C Wassertemperatur. Der Neoprenanzug war gerade noch erlaubt. Beim Schwimmen, habe ich mich ungewollt etwas zu weit hinten eingeordnet, was leider dazu führte, dass ich schneller war als die meisten vor mir. Also musste ich abseits schwimmen und konnte keinen Wasserschatten der Vorderleute nutzen. Es gab einige Quallen im Wasser, was mich zuerst gar nicht störte. Allerdings fing mein ganzes Gesicht ab und zu extrem an zu brennen, wenn ein Jetski der Wasserrettung vorbeifuhr. Ich gehe davon aus, dass deren Schiffsschrauben einige Quallen zerstückelt und das Gift im Wasser verteilt haben. Ich habe versucht, mich davon nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, um mich voll auf meine Schwimmtechnik zu konzentrieren.
Auf den ersten Metern beim Radfahren machte meine Gangschaltung noch Geräusche, die ich aber während der Fahrt nachstellen konnte. Ansonsten verlief das Radfahren nach Plan. Ich habe meine “Wattwerte” eingehalten und konnte bei dem einen Anstieg auf der Strecke im Sattel bleiben, ohne zu überpacen.
Beim Laufen war die Stimmung an der Strecke einfach überwältigend. Auch hier versuchte ich, mich strikt an die Pace-Vorgaben zu halten. An den Verpflegungsstationen bin ich immer gegangen, um ausreichend zu essen, zu trinken und mich abzukühlen. Dann wurde das Laufen aber echt hart. Die Stimmung veränderte sich kilometerweise. Mal gab es ein Hoch und mal ein Tief. Der Bauch fühlte sich fast durchgehend so an, als würde ich versuchen, einen Esswettbewerb zu gewinnen. Später hatte ich schon mehr Bedenken davor, dass meine Uhr die nächste Verpflegung anzeigt, als vor den nächsten Laufkilometern.
Auf den letzten 10 km kam dann noch einmal ein Hoch. Ich wusste, nur noch ein Gel essen und dann bin ich im Ziel! So konnte ich das Tempo noch einmal um 30 bis 45 Sekunden pro Kilometer anziehen und das Feld von hinten aufrollen. Mit Freudentränen ging es dann nach 12 Std. 14 Min. zum Zieleinlauf mit perfekt gepflegtem Teppich und absoluter Partystimmung. Ich läutete die First-Finisher-Glocke und es kam der ersehnte Satz:
„Timo, you are an IRONMAN!“
Bericht / Fotos: Timo


